Publikationen

Bibliografie

Jutta Ravenna in: Sonifikation: Transfer ins Musikalische, Programmbuch zum Festival Sonifikationen - Klingende Datenströme der Berliner Gesellschaft für Neue Musik, Julia H. Schröder (Hrsg.) Wolke Verlag, 2017

http://www.wolke-verlag.de/sonifikation.html

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Sonifikation: Transfer ins Musikalische erschien als Programmbuch des Sonification Festivals 2017. Das Festival wurde von Jutta Ravenna konzipiert, kuratiert und künstlerisch geleitet. Veranstalter war die Berliner Gesellschaft für Neue Musik (BGNM). Im Buch finden sich die Werkkommentare zu Kompositionen und Klanginstallationen der Beteiligten und ihre Biografien. Über das Festival hinaus bietet das von Julia H. Schröder herausgegebene Buch einen Essayteil von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die auf ihre Einladung hin das Thema Sonifikation in Musik und Klangkunst aus unterschiedlichen Blickrichtungen beleuchtet und seine Grenzen ausgelotet haben.

Mit Essays von: Miriam Akkermann, Christina Dörfling, Gesa Finke, Marion Saxer, Stephanie Schroedter, Martin Supper, Jan Thoben und Julia H. Schröder

 

Das Festival „Sonifikationen – Klingende Datenströme“

 

Jutta Ravenna

 

Wie klingt ein Pulsar? Wie klingt es, wenn nachts das menschliche Gehirn träumt? Wie, wenn auf der Bühne live die Daten der DNA des Performers sonifiziert werden? Und wie verwandelt sich ein Schweizer Alpenpanorama in eine konzertante Klanglandschaft? Vom 27. bis 29. Oktober 2017 veranstaltet die Berliner Gesellschaft für Neue Musik in der Berliner Villa Elisabeth das Festival „Sonifikationen – Klingenden Datenströme“ mit über 30 Werken von rund 26 Komponisten, Klang- und Performance-Künstlern rund um das Thema. „Sonifikation“ lässt sich von lateinisch „sonus“, also „Klang“, und „facere“, also „machen“, herleiten und bedeutet im Wortsinne „zu Klang machen“. Der Begriff bezeichnet Verfahren zur Verklanglichung von Daten. Die historischen Wurzeln reichen bis in die vorsokratische Zeit. Pythagoras, der mathematische Beziehungen durch akustische Experimente auf dem Monochord demonstrierte, steht in der Tradition einer Forschung über das Ohr. Die Bandbreite dessen, was sonifiziert wird, ist sehr weit. Sie umfasst soziologische Statistiken, Hirnströme, seismische Spannungen, DNA-, Photosynthese- oder Mikrobendaten und Planetenkonstellationen. Sie alle können nicht nur zu wissenschaftlichen Zwecken, sondern auch zu ästhetischen, also musikalischen Zwecken auditiv erfahrbar gemacht werden.

 

In der Musik hat die Sonifikation – das akustische Pendant zur Visualisierung in der Bildenden Kunst – seit dem Aufkommen digitaler Schnittstellen und ihrer Codes eine rasante Entwicklung durchgemacht. Als Form künstlerischer Nutzung wissenschaftlicher Daten, häufig in einer Kooperation von Wissenschaftlern und Künstlern, stellt die Sonifizierung außermusikalischer Vorgänge wie Meeresströmungen oder Aktienkursen heute technisch kein Problem mehr dar. Umso entscheidender ist die Frage geworden, ab welchem Punkt künstlerisch‐wissenschaftliche Forschung zu Kunst wird. Wie kann den Künsten der nächste folgerichtige Schritt gelingen, über physische Erfahrungen mit Daten für den Hörer einen neuen Wirklichkeitsbezug herzustellen? Welche Kriterien bestimmen den ästhetischen Gehalt und machen eine auf Sonifizierung beruhende Arbeit zu einem eigenständigen musikalischen Werk? Und was fängt die Musik mit den neu gewonnenen Möglichkeiten der Wissenschaft an? Der Vorgang der Digitalisierung, also der Umwandlung in den Binärcode, stellt ja erst einmal einen Akt der Neutralisierung dar. Die kreative Nutzung der Daten durch Komponisten, Klangkünstler und Interpreten, ihre Codes, die Diversität ihrer dem Rezipienten oft verborgenen Parameter-Mappings zur Entschlüsselung der Daten auf dem Weg zum Ohr werfen produktions- und rezeptionsästhetisch, medienpolitisch, kulturhistorisch sowie philosophisch neue Fragen auf. Das Festival widmet sich dieser neuen musikalischen Strömung, die häufig in Kooperation mit den Wissenschaften ein breites Spektrum ästhetischer Produktionen hervorgebracht hat. Dafür wurden aus der Vielfalt aktueller ästhetischer Sonifikationsstrategien Kompositionen, Klanginstallationen und Performances mit prägnanten, eigenständigen ästhetischen Konzepten ausgewählt. Sie bieten, ergänzt um Podiumsdiskussionen und eine Hörstation, die Soundbar, den Besuchern gattungsübergreifend ein breites Spektrum konkreter Beispiele aus der aktuellen Sonifikationsszene. Besondere Aufmerksamkeit gilt der sinnlichen, direkten Erfahrbarkeit von Sonifikation.

 

Der Wettbewerb. Auf der Suche nach aufführbarer Konzertliteratur zur Sonifikation entstand die Idee, für die Realisierung des Festivals eine Ausschreibung auszurichten, mit dem Ziel, die nominierten Werke nicht nur auszuzeichnen, sondern auch zur Uraufführung zu bringen. Vergeben wurden Kompositionsaufträge für Perkussion/Schlagwerk/Objekte oder Streichquartett mit/ohne maximal 8-kanaliger Live-Elektronik.

 

Sonifikationsbuch: Einleitungen 3

 

Die ausgewählten Werke für „Perkussion/Schlagwerk/Objekte mit oder ohne Live- Elektronik“ sind zwei Performances mit Echtzeit-Sonifikationen: From Cloud To Fog (2016), eine kollektive Arbeit von Eliza Goldox, Jasmine Guffond und Holger Heissmeyer, sowie die Uraufführung Listening Back (2017), eine Laptop-Performance mit Perkussion von Jasmine Guffond. Zwei Uraufführungen spielt das Berliner Kairos Quartett mit den über den Open Call ausgewählten Werken Dérive für Streichquartett und Live-Elektronik mit GPS-Daten der Komponistin als Flaneurin im öffentlichen Raum von Lula Romero und Auflösung von Luc Döbereiner für Cello, Transducer und Live-Elektronik. Martin Hachmanns Installation Angst transferiert über drei Stuhlklangobjekte Daten einer soziologischen Studie in Geräusche. Hauptkriterium der Jury bei der Auswahl der Kompositionen war die Nähe des eingereichten Konzepts zum Thema Sonifikation. Der sonifizierte Gegenstand sollte gut dargestellt werden und gewissermaßen vor dem inneren Ohr erscheinen. Ein weiteres Kriterium war die Transparenz des Werks, die Nachvollziehbarkeit des sonifizierten Gegenstandes im Sinne erkennbarer Regeln für die Beziehung zwischen den Daten und den Klängen. Insgesamt sollten Partituren und Konzepte in einer der Jury erkennbaren Weise auf der Interpretation von Datensätzen sowie auf deren Abbildung auf musikalische Parameter beruhen. Daraus ergaben sich weitere zentrale Kriterien, zu denen insbesondere formalästhetische Aspekte wie Ökonomie der Mittel, Originalität, klangliche Differenziertheit, Umgang mit Zeit und Raum gehörten. Eine besondere Rolle spielte in diesem Kontext das Format, etwa in der Exploration der performativen Ebene des Klanggenerierens, der Interaktivität, der Ortsbezogenheit in installativen Arbeiten sowie im Einsatz von Objekten oder Instrumenten bei der Verklanglichung von Datenströmen. Eine Rolle spielten auch pragmatische Aspekte wie Realisierbarkeit, Angemessenheit des technischen Aufwands, die thematische Ergänzung zum bereits bestehenden Konzertprogramms und die Frauenquote.

 

Kooperationen Durch Vernetzung mit Kooperationspartnern wie Strömungen, Sonarisationen und Sonifyer, die in Karlsruhe, der Schweiz oder im Radio die Sonifikationsthematik behandelten und den Berliner Sonifications ausgewählte Beiträge großzügig zur gemeinsamen Nutzung bereitstellten, gelingt in Berlin die Verdichtung des Programms. Diese Partner sind: Die Rundfunkreihe Sonarisationen mit Marcus Gammel im Deutschlandfunk Kultur, die als Podiumsdiskussion mit den beitragenden Künstlern präsentiert wird. Außerdem ist das Festival Strömungen des ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe Ideengeber für ausgewählte Arbeiten gewesen, die auch in Berlin aufgeführt werden. Alle Partner zusammen bestücken die Soundbar, eine Hörstation, über die am Festivalort Ausschnitte aus den aufgeführten Stücken sowie aus weiteren kommentierten und ausgewählten Arbeiten über Kopfhörer angehört werden können. Sie entstand in enger Zusammenarbeit mit der Hochschule der Künste Bern, wo Florian Dombois mit Kollegen das Sonifikationsportal www.sonifyer.org entwickelte. Auch die Bespiele aus der Soundbar und damit des Festivals werden über diese Datenbank öffentlich zugänglich gemacht.

 

Dank Ich danke allen mitwirkenden Künstlerinnen und Künstlern, den Förderern der Stiftung Kulturfonds des Berliner Senats und seinen Kooperationspartnern Kultur Büro Elisabeth, ZKM – Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Elektronisches Studio der TU Berlin, www.sonifyer.org (Hochschule der Künste Bern), Galerie Zwanzigquadratmeter Berlin und Deutschlandfunk Kultur, Sendereihe Sonarisationen. Besonderer Dank gilt Dr. Angela Lammert (Wissenschaftliche Leiterin Interdisziplinärer Sonderprojekte der Sektion Bildende Kunst der Akademie der Künste, Berlin), Arnold Dreyblatt, René Block, Ursula Block, Marita Loosen-Fox, Dr. Andreas Schalhorn (Berliner Kupferstichkabinett), Wulf Herzogenrath, Florian Dombois, Prof. Volker Straebel und Prof. Dr. Sabine Sanio. 

 

 

Jutta Ravenna in: Kunsttexte.de - Auditive Perspektiven: Körper, Klang und Raum. Über die Konzertinstallation "Rotation" mit Leslie-Lautsprechern, Kunsttexte.de 2017

http://www.kunsttexte.de/index.php?id=909&L=1&idartikel=43101&ausgabe=43100&zu=906&L=1

Carsten Seiffahrt/ Markus Steffens: 1996-2006 singuhr-soundart Berlin, Cyan-Verlag 2010

Jutta Ravenna in: Stare über Berlin: Ästhetische Analogien des Vogelsangs. Tilman Küntzel (Hrsg.), Pfau Verlag 2004

Sabine Sanio in: Klangkunst. Tönende Objekte und klingende Räume. Handbuch der Musik im 20. Jahrhundert Band 12, "Autonomie, Intentionalität, Situation. Aspekte eines erweiterten Kunstbegriffs" : Helga de la Motte-Haber (Hrsg.), Laaber-Verlag 1999

Jutta Ravenna in: Musik im Dialog III. Klangkunst-Musiktheater „Inter-Vention im öffentlichen Raum“,

Pfau-Verlag 1999

Matthias Ludwig, Licht und Klang, Daten-Klangfenster von Jutta Ravenna in: kunst und kirche 1/99, Darmstadt 1999

Jutta Ravenna in: singuhr-hoergalerie in parochial. Wohin zieht es Klangkünstler auf der Suche nach Räumen zur Produktion und Präsentation ihrer Arbeiten? Klangkunst-Ausstellungskatalog 1996-1998 und Materialien zum Symposium "Klang-Kunst-Räume" 1998, Susanne Binas und Carsten Seiffahrt (Hrsg.), Pfau-Verlag 1998

Jutta Ravenna in: Fidesarte Nr. 18, Cataloghi d´astra, Rom 1998

Golo Föllmer in: Musik..., verwandelt. Das Elektronische Studio der TU Berlin 1953-1995,

Klanginstallationen, Wolke-Verlag 1996

 

Diskografie

Antal Lux, Jutta Ravenna: Emphatic Chairs 4, Daten-Klangsäule in Home Stories

(T-Systems Nova GmbH Berkom 2002)

Jutta Ravenna: audio-visuelle Werkausschnitte in: Degem-CD-ROM : Klangkunst in Deutschland, Wergo/ Schott-Verlag 2000

Jutta Ravenna: LeiseLaute (Ausschnitt)  in: LeiseLaute. Elektroakustische Musik. Degem Audio-CD 3, Cybele 1997

 

Radiosendungen

Gisela Nauck: Klanginstallation Pulsating Patio in: Heroines of Sound Berlin, Deutschlandradio Kultur 2015 

Ruth Waldeyer: Raudio Aasland with Jutta Ravenna,  Künstlerradio Reboot-fm Berlin 2014 

http://www.ausland-berlin.de/jutta-ravenna

Cluster, Deutschlandradio Kultur 2012

Sabine Sanio: Digitale Klangfelder, Sender Freies Berlin 1999

S. di Fusco: Daten-Klangfenster, Radio Brandenburg 1996

 

Forschung und Lehre

hybrid plattform, Visualisierung und Sonifikation, transdiszinäre Forschung der UdK und TU Berlin 2016

http://www.hybrid-plattform.org/nc/veranstaltungen/hybrid-talks/detail/roundup-hybrid-talks-xxi-visualization-and-sonification/

Soundstudies Universität der Künste Berlin 2015, Vortrag Mastercolloqium

Soundstudies Universität der Künste Berlin 2014, Lecture

Technische Universität Berlin, Fachbereich Audiokommunikation, Vortrag Ringvorlesung

Lehrauftrag an der Universität Oldenburg 2011 „Wie klingt Rot?

Lehrauftrag an der Universität Oldenburg 2012 „Auf der Suche nach neuen Hörräumen“

Lehrauftrag an der Universität Oldenburg 2012 „Klangbrücken“